Praxis

Schalomdiakonat in Kooperationspartnerschaften

Beispiele aus der Praxis

Seit 1994 qualifiziert der OeD Menschen zu Friedensfachkräften und begleitet einige von ihnen in Projekten der gewaltfreien Konfliktbearbeitung in verschiedenen Krisenregionen der Welt. Dafür hat er das Konzept der Kooperationspartnerschaften entwickelt.

Kooperationspartner/innen können Personen und kleine Vereine werden, die eine selbst verantwortete Arbeit für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung mit einer eindeutigen Option für Gewaltfreiheit leisten. Für diese Friedensarbeit können sie eine persönliche und fachliche Begleitung durch eine Person aus dem Umfeld des OeD erhalten. Zu diesem Zweck schließt der OeD mit den KooperationspartnerInnen und ihren ehrenamtlichen BegleiterInnen einen befristeten Vertrag, der Inhalte, Ziele und Modalitäten der Zusammenarbeit festlegt. Ziel dieser Kooperation ist die fachliche und persönliche Stärkung der VertragspartnerInnen für ihre Friedensarbeit.

Unsere aktuellen Kooperationspartnerschaften finden Sie auf dieser Seite (s.u.). Auf ausführlichere Informationen über die Friedensarbeit der jeweiligen PartnerInnen verweisen Links in den Überschriften und ggf. weitere im Text.

Die KooperationspartnerInnen tragen zur Praxisnähe der OeD-Kurse in gewaltfreier Konfliktbearbeitung bei, indem sie ihre Erfahrungen aus der interkulturellen und interreligiösen Friedensarbeit in diese Kurse einbringen.

Viele KursabsolventInnen und Mitglieder des OeD sind auch ohne Kooperationsvertrag aktiv für den Frieden - in ihrem Heimatland. Beispiele ihres Engagements finden Sie hier.

» Gewaltfreiheitstrainings auf dem Balkan

Gewaltfreiheits-Trainings auf dem Balkan RAND ("Regionale Adresse für gewaltfreies Handeln") ist ein Verein mit Sitz in Kroatien, der Gewaltfreiheit als Lebenshaltung und Handlungsweg fördert. Gewaltfreiheit versteht er als Widerstand sowohl gegen das passive Erdulden ungerechter Zustände wie auch gegen militärische und andere gewaltsame Antworten darauf. In seinem gewaltfreien Wirken verbindet RAND Spiritualität, gesellschaftliches Engagement und lebenslanges Lernen.

Das Trainerpaar Ana und Otto Raffai, das den Verein RAND im Jahre 2003 gründete und ihn wesentlich mitträgt, begann seine Friedensarbeit nach der Ausbildung zum Schalomdiakonat beim Oekumenischen Dienst 1995.

Der Verein RAND ist in Südosteuropa aktiv, indem er Grundkurse wie auch Vertiefungsmodule und Trainings für TrainerInnen zum gewaltfreien Handeln anbietet, die Friedensarbeit der selbstorganisierten BürgerInnen und der neuen TrainerInnen begleitend unterstützt und fördert sowie auf Anfrage in Team-Konflikten vermittelt.

Die Besonderheit von RAND ist die interreligiöse Friedensarbeit vor allem durch Programme wie

» „Friedenswege“ in Kozarska Dubica / Bosnien-Herzegowina

„Friedenswege“ in Kozarska Dubica / Bosnien-Herzegowina1997 wurde in Sanski Most, einem Ort in der muslimisch-kroatischen Föderation, ein Verein für Flüchtlinge und Vertriebene aus Bosanska / Kozarska Dubica gegründet. Sein Ziel war, ihnen eine Rückkehr in die Heimatstadt zu ermöglichen, die im serbischen Teil Bosnien-Herzegowinas liegt, der Republika Srpska.

Im September 1999 kehrten die ersten Flüchtlinge unter dem Schutz internationaler Soldaten zurück in eine Stadt, deren BewohnerInnen den Rückkehrenden gegenüber feindlich eingestellt waren. Der Flüchtlingsverein richtete ein Beratungsbüro ein, dessen erste Aufgabe es war, sich für die Menschenrechte einzusetzen und den Rückkehrenden bei der Forderung nach Rückgabe ihres Eigentums zu helfen.

Im September 2002 hat sich der Flüchtlingsverein neu registrieren lassen als Bürgerverein "Putevi mira" ("Friedenswege"). Die neue Namensnennung macht deutlich: "Wir sind keine Flüchtlinge mehr. Wir sind zu Hause, in unserer Stadt. Wir möchten zusammen mit Menschen der anderen Volksgruppen in Frieden leben und gemeinsam eine demokratische, zivile Gesellschaft entwickeln."

Die Friedenswege beginnen mit dem Bemühen um Annäherung der Menschen: Frauen begegnen sich in Seminaren zur gewaltfreien Konfliktlösung. Kinder und Jugendliche lernen und spielen miteinander unter Anleitung von Lehrerinnen. Alte Menschen treffen sich regelmäßig und kochen miteinander. Um das erfahrene Unrecht im Krieg und das Leid aufzuarbeiten, bedarf es vieler solcher Schritte.

Heike Mahlke, ehemalige Honorar-Mitarbeiterin des Oekumenischen Dienstes, begleitet die RückkehrerInnen und ihren Verein seit 1999. Ein Erfahrungsbericht von ihr ist hier nachzulesen; ein Reisebericht vom März 2007 als PDF-Datei unter www.schalomdiakonat.de/dubica07.pdf (19 KB).

» Ravangrad / Serbien

RavangradSombor liegt im Nordwesten der Vojvodina / Serbien an der Grenze zu Kroatien und Ungarn. Viele ethnische Gruppen leben hier und haben mit ihren Traditionen dieser Provinz eine sehr multikulturelle Geschichte gegeben. Aus der Arbeit einer Friedensgruppe hervorgegangen, wurde 1996 die Organisation "Ravangrad" gegründet. Ihr Ziel ist die interkulturelle Arbeit vor allem mit Kindern und Jugendlichen in der nahen Umgebung, aber auch über die neue Grenze und alte Grenzen hinaus.

In dem Projekt "Soaltarmap" z.B. entwickeln Jugendliche eine alternative Landkarte ihres Dorfes. Sie finden heraus, wie das Dorf architektonisch ist, welche Infrastrukturen vorhanden sind. Sie dokumentieren in Fotos, Geschichten, Assoziationen und Gedichten, was das Spezifische Ihres Ortes ist, und stellen diese Dokumente als thematische Karte mit Fotoserien ins Internet: www.soaltermap.com Während des Herstellungsprozesses lernen sie ihr Dorf kennen und schätzen, entwickeln eine Identifikation mit ihrem Heimatort, weisen aber auch auf Träume und Lücken hin. Sie lernen auch über die anderen Dörfer ihrer Umgebung und erfahren, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft leben.

Auf dieser Grundlage soll in einem weiteren Schritt der Blick in die Geschichte gelenkt werden: Wer hat hier früher gelebt, was ist mit vielen Juden geschehen, wo lebten die anderen Gruppen, woher kamen die Roma, was ist mit den Deutschen, von denen viele Tausend nach dem Zweiten Weltkrieg das Land verlassen mussten? Die beteiligten Jugendlichen werden in verschiedenen Formen sensibilisiert für die eigene Geschichte, die Geschichte der unterschiedlichen ethnischen Gruppen und haben zugleich ein kreatives Mittel, um ihre eigenen Beobachtungen auszudrücken.

Jugendliche aus diesem und anderen Projekten werden dann auch bei multikulturellen Festen aktiv. Sie machen mit bei Umweltschutzaktionen und erleben Mitglieder der anderen ethnischen Gruppen in der konkreten gemeinsamen Arbeit etwa beim Müllsammeln im Wald. Das ist ein aktiver Beitrag zur gemeinsamen Identität, der das "gegeneinander Ausspielen" verhindert und Vorurteile abbauen hilft.

»Religion and Peace / Südafrika

Begegnung und Konfliktbearbeitung in Cape Town / SüdafrikaChristoph Baumann lebt mit seiner südafrikanischen Frau und ihren beiden Söhnen in Südafrika. Vermittelt durch den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), arbeitet er dort als Dozent für Friedensstudien ("Peace Studies") in Durban und Port Elizabeth.

Neben der Durchführung von bereits bestehenden friedenspädagogischen Seminaren und der Begleitung von Studierenden gehört zu seinem Aufgabenkatalog auch die Etablierung eines neuen Moduls "Religion and Peace". In Zusammenarbeit mit theologischen Fakultäten und Seminaren sollen darüber hinaus spezifisch friedenstheologische und -pädagogische Lehrangebote für den kirchlichen Bereich entwickelt werden. Zudem ist er beauftragt, mit verschiedenen Kirchen die Einrichtung eines Zentrums "Church and Peace" zu erörtern, in dem christliche Bildungsarbeit und Trainingsangebote für Frieden und Gewaltfreiheit angesiedelt werden können.

Bei all dem liegt ein räumlicher Schwerpunkt zwar auf Südafrika mit seiner Apartheid-Geschichte. Doch geht es nicht zuletzt darum, in Zusammenarbeit mit Kirchen, Friedensorganisationen und Friedensinstituten auf dem afrikanischen Kontinent ein Netzwerk für Kirche und Frieden über mehrere Länder Afrikas zu schaffen.

Christoph Baumann ist evangelischer Theologe aus Deutschland und absolvierte während seines Vikariats den berufsbegleitenden Aufbaukurs 2000-2001 des Oekumenischen Dienstes zum Schalomdiakonat.

» AVP in York / England

AVP Roswitha Jarman, deutschstämmige Engländerin, Großmutter und ehemalige Lehrerin, engagiert sich in ihrer Heimatgemeinde und darüber hinaus als AVP-Trainerin (AVP = Alternatives to Violence Program / Programm Alternativen zur Gewalt). AVP bietet Menschen in allen Lebensphasen Workshops an, die ihnen helfen, mit heftigen Emotionen wie Zorn und Wut so umzugehen, dass sie keinen Schaden bringen. Die Workshops laufen auf freiwilliger Basis, die Teilnehmer kommen, weil sie etwas in ihrem Leben verändern wollen.

Ursprünglich waren diese Workshops für Menschen im Gefängnis gedacht, die Wege finden wollten, um nicht weiter in Gewaltsituationen verwickelt zu werden. Heute werden die Kurse auch Menschen in anderen Segmenten der Gesellschaft angeboten. Meist geht es um Gewalt in der Familie.

In den Workshops geht es um gewaltfreie Kommunikation und um ein besseres Verstehen, was unsere Emotionen treibt und wie wir mit ihnen umgehen können. Die Workshops haben einen spirituellen Charakter, sind aber nicht religiös.

Sonderkonten

für steuerbegünstigte Spenden und Kollekten an unsere KooperationspartnerInnen (alle bei der Ev. Kreditgenossenschaft Kassel, BLZ 520 604 10)

Bitte schreiben Sie uns,

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D-34474 Diemelstadt-Wethen
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